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Dann
scheint die Luft stillzustehen, selbst die Vögel hören
auf zu pfeifen, kurze Zeit herrscht die buchstäbliche Ruhe
vor dem Sturm. Ein leichtes Säuseln macht sich bemerkbar,
Herbstblätter werden wie von Geisterhand nach oben gezogen
und wirbeln als kleine Windhosen durch die Straßen. Im
Anschluss bricht die Hölle los: Während die schwarze
Wolkenmasse uns verschluckt, peitschen die ersten Windböen
übers Wasser, reißen Schaumkronen ab, zerfetzen Baumwipfel,
schmettern Wogen über die Ufermole. Ohne Umzufallen kann
man sich gegen den Wind lehnen. Ein schmaler heller Streifen
am Horizont erscheint am Ende der dunklen Wand, lässt die
Abendsonne durchspicken, das warme Licht bricht sich in den
Wogenspitzen, was für ein Anblick!
Zwischen
jeder Orkanböe kämpfe ich mich zur Mole vor, versuche,
meine Kamera mit dem schweren Stativ einzustellen, bevor die
nächste Welle über die Mauer schlägt. Regen selbst
bleibt gottseidank aus. Nach zehn Minuten in dem Getöse
bin ich klitschnass von den Brechern, bin bemüht, die Kamera
zu schützen so gut es geht, haste ein paar Schritte vom
Ufer weg, um neuen Film einzulegen, wische Wassertropfen vom
Objektiv, funktioniere und versuche doch gleichzeitig, diese
einzigartige Stimmung am See in mich aufzusaugen.
Genauso
schnell, wie er gekommen ist, verebbt dieser Orkan wieder, der
Sturm flaut ab, die Sonne geht unter. Zurück bleibt ein
Teppich von Ästen und Blättern auf den Straßen,
ein Hochgefühl im Bauch angesichts der Tasche voller Filme,
sowie tiefe Dankbarkeit, ein solches Ereignis miterlebt haben
zu dürfen. Was hat er für vielfältige Gesichter,
unser Bodensee!
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